Von Alexander Wiesbach - Februar 2020

Klares Votum – Veritas-Mitglieder wollen keine Verhandlungen mit Investor

Gelnhausen. Am Mittwoch, den 26.02.2020, fand im VeriForum der Veritas AG in Gelnhausen eine Mitgliederversammlung der IG BCE statt. Dabei ging es maßgeblich um die Frage, ob die Arbeit-nehmervertreter mit dem potentiellen neuen Investor AIAC in Verhandlungen treten sollen. Der neue Investor macht seinen Einstieg bei der Veritas AG unter anderem von der Streichung von 700 der gegenwärtig 1.407 Arbeitsplätze in Gelnhausen sowie einem Verzicht auf das Weihnachtsgeld für den Zeitraum 2019 – 2022 abhängig.

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Foto: Versammlung Veritas Febr. 2020

Zudem sollen die von Kündigungen betroffenen Beschäftigten unabhängig ihrer Betriebszugehö-rigkeit eine Abfindung in Höhe von 3 Monatsgehältern unter Einhaltung der ordentlichen Kündi-gungsfrist erhalten. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen lag nun bei den IG BCE-Mitgliedern der Veritas AG in Gelnhausen, da es letztlich um ihre weitere persönliche und familiäre Zukunft sowie ihre Arbeitsbedingungen geht.

Dementsprechend groß war dann auch die Beteiligung der IG BCE-Mitglieder – insgesamt drängten sich knapp 400 Kolleginnen und Kollegen in das VeriForum, um von ihrem Mitbestimmungsrecht Gebrauch zu machen. Neben den IG BCE-Mitgliedern, den gewerkschaftlichen Vertrauensleuten, dem Betriebsrat sowie der Jugend- und Auszubildendenvertretung nahmen an der Versammlung auch der Landrat des Main-Kinzig-Kreises Thorsten Stolz (SPD) sowie der Landtags- und Kreistagsabgeordnete Heinz Lotz (SPD) teil.

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Foto: Landrat Stolz vorne: Landrat Stolz/ daneben: VL Vorsitzender Walter

Nachdem der Vorsitzende der Vertrauensleute der Veritas AG, Dieter Walter, die anwesenden Mitglieder begrüßt und seinen Bericht abgegeben hatte, gab er das Wort an den Landrat Thorsten Stolz. Dieser fand deutliche Worte und kritisierte die Vorgehensweise des potentiellen Investors AIAC scharf. Er hob hervor, dass das Angebot des Investors eine Farce darstelle. Die Beschäftigten sollen mit drei Bruttomonatsgehältern abgespeist werden wohingegen in den vergangenen Jahren zwei-stellige Millionenbeträge durch externe Berater regelrecht verbrannt worden seien.

Diese Beträge seien anderweitig sicherlich besser investiert gewesen. Weiterhin mahnte er, dass sich die unterschiedlichen Unternehmensbereiche nicht gegeneinander ausspielen lassen sollen. Abschließend erklärte Thorsten Stolz, dass der Main-Kinzig-Kreis an der Seite der Veritas-Beschäftigten stehe und mit diesen um jeden Arbeitsplatz kämpfe. Anschließend äußerte sich der Landtagsabgeordnete Heinz Lotz dahingehend, dass nun wieder die Belegschaft die Zeche für die jahrelangen Manage-mentfehler zahlen müsse.

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Foto: Lotz Landtagsabgeordneter Lotz

Die Region stehe aber für die Beschäftigten der Veritas auf und man müsse gemeinsam gegen die Machenschaften des neuen Inverstors vorgehen. Der Betriebsratsvorsitzende Glenn Lawrence hob in seinem Redebeitrag hervor, dass es eine Frechheit sei, langjährige Beschäftigte mit drei Monatsgehältern abspeisen zu wollen. Man habe sich bisher immer für den Erhalt der Arbeitsplätze in Gelnhausen eingesetzt und werde sich auch zukünftig für jeden einzelnen Arbeitsplatz einsetzen.

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Foto: Lawrence BR Vorsitzender Lawrence

Anschließend stellte Alexander Wiesbach als zuständiger Ge-werkschaftssekretär nochmals umfassend die Chronolgie der Ereignisse dar. Er prangerte an, dass die Vorgehensweise des neuen Inverstors gegenüber den leidgeplagten Beschäftigten der Veritas AG eine Provokation darstelle, die jeglichen Respekt und jegliche Wertschätzung vermissen lasse.

Zudem kritisierte er, dass durch arbeitgeberseitige Aussagen und Verhaltensweisen die ohnehin schon verunsicherte Belegschaft noch mehr verängstigt werde und rief zu mehr Besonnenheit auf. Abschließend verdeutlichte er nochmals, dass sich durch einen möglichen Verzicht auf das Weihnachtsgeld auch etwaige Arbeitslosengeldansprüche reduzieren würden.

Bevor es dann zur Abstimmung über die weitere Vorgehensweise ging, erklärte Rechtsanwalt Jürgen Walter den anwesenden Gewerkschaftsmitglieder nochmals den Ablauf sowie die Risiken und Chancen einer Insolvenz.

Rechtsanwalt Walter

Von den knapp 400 anwesenden Gewerkschaftsmitgliedern sprachen sich knapp 96 % gegen Verhandlungen mit dem Investor AIAC aus – dieses Ergebnis ist an Eindeutigkeit kaum zu übertreffen.

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