Von IG BCE - Frei nach Martin Neff

Ein modernes Märchen: Wer braucht denn schon Gewerkschaften – wer braucht denn schon Tarifverträge?

Eines schönen Morgens erwachte Mäxchen und stellte fest, dass sein größter Traum in Erfüllung gegangen war: Gewerkschaften gibt es nicht mehr, und Tarifverträge auch nicht!

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Comic: Mäxchen Ein modernes Tarifmärchen. Frei nach Martin Neff
26.04.2017
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War das eine Freude! „Hurra! Jetzt spare ich jede Menge Gewerkschaftsbeiträge! Die waren sowieso immer viel zu hoch, und was habe ich dafür gekriegt? Meine Arbeitsbedingungen kann ich viel besser selbst mit meiner Arbeitgeberin aushandeln!“

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Comic: Modernes Märchen Ein modernes Tarifmärchen. Frei nach Martin Neff

Frohen Mutes ging Mäxchen zur Arbeit, den Kopf voller super Ideen und stellte seiner Arbeitgeberin seine Forderungen vor:

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Comic: Mäxchen Ein modernes Tarifmärchen. Frei nach Martin Neff

Mäxchen: „Ich will mehr Geld und mehr Freizeit! Und zwar:

Lohn/Gehalt: 3.000 EURO im Monat, natürlich auch, wenn ich krank bin.

  1.  Arbeitszeit: 35 Stunden in der Woche, verteilt auf fünf Tage, also Montag bis Freitag.
  2.  Jahresurlaub: 40 Arbeitstage.
  3. Weihnachtsgeld: 3.000 EURO.“

Mäxchens Arbeitgeberin hörte sich diese Forderungen ruhig an. Aber dann prustete sie laut los vor Lachen.

Chefin: „Herr Max, bekommen Sie eigentlich gar nichts mehr mit? Wissen Sie nicht, was passiert ist? Wir beide können jetzt machen, was wir wollen!“

Mäxchen: „Genau! Deshalb bin ich ja hier.“

Chefin: „Prima, Herr Max, dann verstehen Sie sicher auch, dass ich jetzt endlich frei von jeder Tarifbindung bin. Beim Aushandeln Ihres neuen Arbeitsvertrags muss ich mich nur an die gesetzlichen Mindeststandards halten. Und das tue ich auch, ich bin ja schließlich ein sozial eingestellter Arbeitsgeber! Im Übrigen, Herr Max, wenn Ihnen mein Angebot nicht gefällt, können Sie gerne gehen – es gibt genügend andere! Und nun hören Sie sich bitte mein Angebot an.

Erstens Lohn/ Gehalt: 766,94 EURO monatlich.“

Mäxchen: „He, ich bin eine gut ausgebildete Fachkraft! Nach der Vergütungsordnung steht mir mindestens die Vergütungsgruppe...“

Chefin (schon etwas ungehalten): „Herr Max, es gibt keine Vergütungsordnung mehr und auch keine Vergleichswerte!“

Mäxchen: „Aber der Gesetzgeber bezeichnet 30 Prozent unter dem vergleichbaren Tariflohn als Lohnwucher...“

Chefin: „30 Prozent WOVON? Es gibt keine Tariflöhne mehr! Basta!! Finden Sie sich damit ab. Und jetzt möchte ich weiter machen. Wenn Sie krank werden, dann gibt es sechs Wochen Lohnfortzahlung, und zwar 100 Prozent, auf der Basis des vereinbarten Monatslohns. Sie erinnern sich: 766,94 EURO!“

Mäxchen (zaghaft): „Und was ist, wenn ich Überstunden gemacht habe? Fallen die dafür fälligen Prozente nicht in die Berechnungsgrundlage?“

Chefin (barsch): „Nein! Schauen Sie mal ins Gesetz. Da gibt es nirgend wo eine Stelle, die vorsieht, dass jemand für Überstunden überhaupt Prozente bekommen muss. Und nun weiter im Text; ich habe schließlich nicht den ganzen Tag Zeit, und Sie bezahle ich hier für´s Arbeiten und nicht für Plauderstündchen. Zweitens beträgt Ihre Arbeitszeit 48 Stunden in einer Sechs-Tage-Woche, also von Montag bis Samstag. Wir sind ein Betrieb, in dem nach dem Arbeitszeitgesetz Sonn- und Feiertagsbeschäftigung zugelassen ist. Da müssen auch Sie ran. Aber ich garantiere Ihnen 15 freie Sonntage im Jahr. Ich halte mich schließlich an die Gesetze!

Mäxchen: „...!!!“

Chefin: „Drittens Ihr Jahresurlaub: 24 Werktage. Und damit das klar ist: Werktage sind alle Tage, die nicht gesetzliche Sonn- und Feiertage sind.“

Mäxchen (ganz leise): „Das sind ja nur vier Wochen! Und was ist mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld?“

Chefin (sehr sanft): „Werden von keinem Gesetz vorgeschrieben...“

Mäxchen (in einem letzten Versuch, seinen Mut und Elan vom Morgen wieder zu gewinnen): „Was ist mit den Zuschlägen für Erschwernisse, für Schicht und Wechselschicht? Und mit den Arbeitsbefreiungen bei bestimmten Anlässen, zum
Beispiel wenn ich demnächst zum fünften Mal Vater werde...“
Chefin (wütend):
„Das reicht! Herr Max, Sie sind entlassen!!!“

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Comic: Mäxchen Ein modernes Tarifmärchen. Frei nach Martin Neff

Mäxchen: „A...aa...aber ich bin doch unkündbar?!“

Chefin (schreit):
„Wo steht DAS denn? Ich glaube, Sie träumen!!!“
Und genau in diesem Moment wachte Mäxchen auf. Und war heilfroh: Hoffentlich wird dieser Alptraum nie Wirklichkeit!

Weder unter der Dusche noch auf dem Weg zur Arbeit konnte Mäxchen die Erinnerung an diesen üblen Traum verdrängen. „Ich muss heute in der Mittagspause unbedingt mit meinen Kolleginnen und Kollegen darüber reden.

Was ist denn, wenn die Zahl der Unorganisierten steigt und es immer mehr Trittbrettfahrer gibt? Oder wenn jemand gleich ganz die Tarifautonomie abschafft? Kann ich allein die Entwicklung aufhalten und verhindern, dass mein Alptraum Wirklichkeit wird?“

Bestimmt nicht, das weiß Mäxchen jetzt. Allein erreicht man gar nichts! Nur gemeinsam sind wir stark!!!

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Comic: Mäxchen Ein modernes Tarifmärchen. Frei nach Martin Neff

Mäxchen hat das begriffen. Lass auch DU keine Alptraum-Zustände zu und sprich Deine Kolleginnen und Kollegen an!

Mitgliedschaft lohnt sich!!!

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