Von Ortsgruppen Fortuna-Solms/ Wetzlar-Hermannstein - Dienstag, 1. Mai 2018

1. Mai 2018: »Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit«

Unter diesem Motte versammelten sie Gewerkschafter zur Maikundgebung in Wetzlar. Wir, die beiden Ortsgruppen der IG BCE Wetzlar - Hermannstein und Fortuna – Solms waren traditionell auf dem 1. Mai Fest mit einem Würstchenstand wieder dabei.

Stefan Arch

Foto: Fortuna-Solms- Wetzlar-Hermannstein

Kreisvorsitzender Arne Beppler brach in seiner Begrüßungsansprache eine Lanze für »ein gerechtes Steuersystem, bezahlbare Mieten und funktionierende öffentliche Dienstleistungen – statt weitere Milliarden für Rüstungsprojekte zu verpulvern«. Unter den rund 120 Kundgebungsteilnehmern waren die Bundestagsabgeordnete Dagmar Schmidt (SPD), die Landtagsabgeordneten Frank Steinraths (CDU) und Hermann Schaus (LINKE) sowie der Wetzlarer Stadtrat Norbert Kortlüke (GRÜNE). Mit Blick auf den bevorstehenden 200. Geburtstag von Karl Marx erwähnte Beppler »die anhaltende Aktualität von dessen Kapitalismus-Analyse«.

IG BCE Ortsgruppe Wetzlar-Hermannstein

Foto: Fortu-WE 2018

Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) plädierte für eine Arbeitswelt, die frei sein müsse von Existenzängsten und ständiger Verunsicherung: »In einem intakten Gemeinwesen werden junge Leute auch vermehrt Familien gründen und sich gesellschaftlich engagieren«. Mit Blick auf die Auseinandersetzung um die Nutzung der Stadthalle durch die NPD attestierte er seiner widerständigen Stadt »ein Herz aus Stahl« und einen »Blick durch klare Linsen - ohne braune Eintrübungen«. Dafür gab es viel Applaus.

IG BCE Ortsgruppe Wetzlar-Hermannstein

Foto: 1. Mai 2018

Hauptrednerin war die aus Frankfurt/M. angereiste ehemalige DGB-Landesvorsitzende Gabriele Kailing. Sie ging zunächst auf das »Epochenjahr 1968« ein. Damals seien die Themen Minderheitenschutz und Gleichheit der Geschlechter nach vorne gebracht worden: »Wenn heute Frauen im Schnitt immer noch 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen, weisen wir als Gewerkschaften auf diese Gerechtigkeitslücke hin«.

IG BCE Ortsgruppe Wetzlar-Hermannstein

Foto: 1. Mai 2018

Das Modell der sozialen Marktwirtschaft mit seinen sozialen Sicherungssystemen sei in den letzten Jahrzehnten in eine Schieflage geraten: »Flächentarifverträge sind immer Garanten für eine gerechte Entlohnung gewesen. In den 90er Jahren haben die Arbeitgeberverbände ihren Mitgliedsfirmen eine ›OT-Klausel‹ (= ohne Tarifbindung) zugestanden. Das hat die Gewerkschaften geschwächt und dem Modell ›Raubtierkapitalismus‹ den Boden bereitet. In Hessen zahlt inzwischen nur noch jeder dritte Betrieb nach Tarif«.

IG BCE Ortsgruppe Wetzlar-Hermannstein

Foto: 1. Mai 2018

Durch gewerkschaftlichen Druck sei im Koalitionsvertrag die Stabilisierung des Rentenniveaus von 48 Prozent bis 2015 erreicht worden. Die Gesellschaft müsse auch künftig bei Pflege, Krankheit und Alter als Schutzgemeinschaft intakt bleiben: »Wenn sich hingegen große Teile der Wirtschaft aus ihrer sozialen Verantwortung verabschieden, gefährdet das die Grundlagen der parlamentarischen Demokratie, die auf den Werten Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit gründet, und ist Wasser auf die Mühlen von Rechtspopulisten und demokratiefeindlichen Demagogen«, warnte Kailing.

IG BCE Ortsgruppe Wetzlar-Hermannstein

Foto: 1. Mai 2018

Im Anschluss an die Kundgebung fand auf im Klostergarten eine Mai-Feier mit Speisen, Getränken, Kinderaktivitäten und Infoständen statt, die vom Frankfurter Liedermacher Ernst Schwarz musikalisch umrahmt wurde.Witzige Begebenheit am Rande: Auf dem Höhepunkt der Kundgebung gab es eine Art von »clash of cultures«: an den Kundgebungsteilnehmern vorbei zog eine Schar mit Bollerwagen, Bierproviant und Mailaub-Schmuck über den Eisenmarkt.

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